Waldgasthof - Hart   -  84082 Laberweinting - Tel. 09423/623 - Fax 09423 903580 - Gasthof und Freizeitanlage im Labertal - eMail: waldgasthof-hart@t-online.de - www.waldgasthof-hart.de

Geschichte

 

Freizeitanlage und Elfenwald der Öffentlichkeit 2005 vorgestellt
Impressionen vom Hart:   Einweihung     Veranstaltung

DER HART, EINE ALTE FÖRSTEREI

Die Einöde Hart verdankt ihre Entstehung dem Bedürfnis des Forstschutzes für die großen Waldungen, die sie umgeben. Hart war anfänglich eine Kloster Niedermünsterische Försterei und dann seit 1811 eine kgl. Forstwarterei. Letztere wurde in eine Försterei umgewandelt und ums Jahr 1835 nach Hofkirchen verlegt, wo sie sich noch befindet.

Die Waldungen, die zur Försterei Hart gehörten, beschränkten sich zuerst auf die Niedermünsterischen Besitzungen Osterholz und Ellnpach. Erst später kamen noch die Staatswaldungen Brunnleiten, das Fuchsenholz, das Ammerholz und Gern hinzu. Der Sitz der Niedermünsterischen Försterei war bis ins 18. Jahrhundert in Weichs. Im Jahre 1719 ging man von Seiten des Klosters daran, die Försterei in die nächste Nähe der Waldungen zu verlegen. Man beabsichtigte, ein "Holzhüterhäusl" in der Nähe des Dorfes Haader und eben bei dem Haaderer Holzeingang zu errichten. Dabei stieß man aber auf den Widerstand der Gemeinde Haader. Auf ihr Betreiben wirkte Baron von Gumberg, Wildmeister zu Landshut, die "lnhibition des aufzubauenden Holzhüterhäusls" aus. Darüber beschwerte sich die Fürstäbtissin von Niedermünster Johanna Franziska. Der bayerische Kurfürst ließ ihr dann die Resolution zukommen, sie solle beim hochlöblichen Hofrat die Notwendigkeit ihres Vorhabens begründen. In ihrem Antwortschreiben kritisiert die Fürstäbtissin die dauernde Verzögerung des eingeleiteten Rechtsstreites mit dem berechtigten Hinweis, dass dies nur im Interesse der Haaderer Bewohner liegen könne, damit diese während der Dauer des Prozesses ihre Holz- und Wilddiebereien fortsetzen könnten.

Die Aufrichtung des geplanten Hauses scheint 1719 nicht mehr Wirklichkeit geworden zu sein, denn erst im Jahre 1724 finden wir den Jäger von Weichs im neu erbauten Jägerhaus zu "Osterbrunn", wie der Hart anfangs genannt wurde.

Das Haus dürfte dann wohl 1723 errichtet worden sein. Als erster Förster erwarb Matthias Steinherr am 14. 3. 1724 dieses Anwesen, das 2419 Schritt im Umkreis maß. Es wurde ihm zur Bedingung gemacht, das Gelände innerhalb seiner Grenzen zu roden, Acker und Wiesen anzulegen und bei seinem neu erbauten Haus einen schönen Wurzgarten anzulegen. Der Kaufpreis betrug in Ansehung seiner lang geleisteten Pflicht nur 200 Gulden. Die sonstigen Leistungen: 3 Pfund Pfennig = 3 Gulden 25 Kreuzer, 1 Scheffel Korn, 24 Metzen Hafer, 8 Metzen Gerste sowie 4 Hendl, 1 Gans und 30 Eier blieben als Besoldung in seinen Händen. Der erste Jäger und Förster vom Hart starb 1752 und wurde im Friedhof zu Weichs begraben. Im Jahre 1737 übernahm der Sohn Johann das Besitztum.

Er war bereits mit Ursula Pucher vom nahen Hinterbach verheiratet. Unter diesem Herrschaftsjäger scheint das bis 1970 stehende Haus erbaut worden zu sein, da an dessen Giebel die Jahreszahl 1742 angebracht war. Von seinen acht Kindern wurde der Sohn Benedikt Priester, die Tochter Theresia verehelichte sich mit dem Nachbarn Georg Huber von Ödwiesen. Sein Sohn Sebastian, ebenfalls Herrschaftsjäger und Geometer, übernimmt am 11. Juni 1774, mit Veronika Arnold, Gastwirtstocher von Laberweinting, verheiratet.

Er stirbt am 28. Oktober 1811. In diesem Jahr wurde auch seine Herrschaft Niedermünster vom bayerischen Staat säkularisiert. Von seinen 9 Kindern wird Xaver Jäger in Gerabach, Benedikt wird auf der Jagd verwundet und stirbt an dieser Schussverletzung. Die Tochter Rosina heiratet den Matth. Hirsch von Hofkirchen. Der 1780 geborene Sohn Josef wird 1811 als kgl. prov. Förster angenommen und um 1813 bekommt er die Stelle als kgl. prov. Forstwart. Am 10. November 1818 wird er Alleinbesitzer des Anwesens, er bleibt unverheiratet. Im Protokoll über die Verteilung der Gemeindegründe Hart 1830 erscheint er als Landgerichtsgeometer. Nach der Auflassung der Forstwartei Hart erscheint er als Handesmann in Weng.

An Grundbesitz gehörte zum Hart laut Kataster 1816: Haus, Hofraum, Nebengebäude und Gärten 2 Tagwerk und 56 Dezimal Äcker 52 Tagwerk, 27 Dezimal Wiesen 5 Tagwerk und 7 Dezimal Waldungen 33 Tagwerk und 19 Dezimal. Der Gesamtbesitz betrug 93 Tagwerk und 9 Dezimal. Die Ackergründe waren meistens von schlechter Qualität und warfen oft kaum mehr als den Samen ab; besonders die ehemaligen Holzgründe. Am 23. Juni 1835 erwirbt der Pechler Matthias Hirsch von Hofkirchen, ein Schwager des letzten Steinherr, dieses Anwesen für seinen Sohn Johann Hirsch. Letzterer heiratet 1840 die Bauerstochter Maria Beck von Hirnkofen bei Essenbach. Er erwirbt um 1872 das Schenkrecht, welches schon vorher ohne Erlaubnis ausgeübt worden war. Das Gasthaus diente hauptsächlich den Waldarbeitern zur Einkehr. Er stirbt 1885. Er hatte hart zu kämpfen, da die Felder nur kärglichen Ertrag erbrachten und die Gebäude in schlechtem Zustand waren.

Der jüngste Sohn Karl übernimmt 1862 das Anwesen. Er heiratet 1887 die Anna Eichmaler von Stocka. Die älteste Tochter Josefa heiratet 1910 Xaver Holzer, Bauerssohn von Haader. Dieser baut 1911 einen geräumigen Kuhstall an den Pferdestall an. Mit Umsicht und Tatkraft richtet er das ziemlich heruntergekommene Anwesen wieder auf. So erstellt er zusammen mit dem Kuhstall einen neuen Stadel, den so genannten Heustadel. 1929 wird ein geräumiger Eiskeller errichtet, wo das Eis von zwei Weihern gelagert wird, um das Bier auch in den Sommermonaten kühl halten zu können. 1939 geht Xaver Holzer an den Bau einer geräumigen Scheune, diese verbindet die Stallfront mit dem Heustadel.

Aus der Ehe entstammen drei Kinder. Sohn Otto Holzer übernimmt nach der Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg 1946 das Anwesen. Er heiratet im selben Jahr Kreszenz Zink aus Eitting.

Nachdem die bestehenden Wirtschaftsgebäude nun in einem guten Zustand sind, geht es an die Modernisierung und Erweiterung des Anwesens. 1949 wird ein größerer Schuppen für die landwirtschaftlichen Maschinen errichtet. 1952 wird die Traktorgarage gebaut. Durch die Anschaffung eines Lanz-Bulldogs sind die Tage der Zugpferde gezählt. 1954 erbaut dann Otto Holzer die erste Hälfte des Wohnhauses neu. Da die Dienstboten und die zu dieser Zeit noch kleinen Kinder weiter untergebracht werden müssen, ist nur der Neubau einer Wohnhaushälfte möglich. In diesem neuen Trakt ist im Erdgeschoß das Gasthaus untergebracht. Bereits 1956 erhalten dann die geräumigen Stallungen einen neuen Dachstuhl und eine neue Decke, so dass dieser neue Boden auch als Getreidelager genutzt werden kann. Erst 1972 wird der zweite Teil des Wohnhauses neu gebaut. Dabei werden eine Kühlanlage, neue Toilettenanlagen und im 2. Obergeschoß ein Saal miteingerichtet.

Ein weiterer Schritt zum heutigen Aussehen wird mit der Gründung der Naherholungsgemeinschaft 1973 getan. Otto Holzer erklärt sich bereit, 3 Tagwerk seines Grundes für einen symbolischen Pachtbetrag der Naherholungsgemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Daraufhin errichtet diese auf diesem Terrain eine asphaltierte Stockbahn und einen Bolzplatz. Außerdem werden Wanderwege und vom Staatsforst ein Kinderspielplatz im nahen Wald angelegt. Die Eröffnung der Naherholungseinrichtung "Freizeitzentrum Hart" erfolgte am 29.10. 1976 durch Staatsminister Dick. Gastwirt Holzer richtet den geräumigen Platz hinter dem Gasthaus als Wirtsgarten her. Unter den schattigen Nussbäumen wird das Gelände aufgeschüttet, eingeebnet und befestigt. Ebenfalls wird eine Überdachung und ein Windschutz gegen Westen erstellt. Aus den Reihen der sechs Kinder übernimmt dann 1980 der zweite Sohn Xaver den gast- und landwirtschaftlichen Betrieb. Die Gastronomie wird nun immer mehr ausgebaut, so dass nach der Aufgabe der Schweinezucht vor einigen Jahren jetzt auch der Rinderbestand veräußert wird. Xaver Holzer baut im Jahr seiner Übernahme einen neuen Backofen, damit die Gäste weiterhin mit dem selbstgebackenen Holzofen-Roggenbrot versorgt werden können. Auch die Räucherkammer wird zum zweiten Mal erneuert.

Ein letzter Schritt zum heutigen Betriebsbestand ist die Errichtung einer großen Maschinen- und Veranstaltungshalle im Jahre 1982. Diese Halle bietet nicht nur Platz für 1000 - 2000 Menschen, sondern beinhaltet auch große Toilettenanlagen, sowohl für Veranstaltungen als auch für den Gartenbetrieb. Der Bayerische Sportschützenbund e.V. - Labergau Mallersdorf - installierte in der Halle 61 Schießstände für Luftgewehr, Luftpistole und Zimmerstutzen, die jederzeit auf- und abgebaut werden können. Hier finden die Niederbayerischen Meisterschaften und die Gaumeisterschaften im Sportschießen statt. Ebenso hält die Brauerei alljährlich ein großes Gemeindevolksfest ab. 1983 fand zur Einweihung der Schießanlagen ein Gauschützenfest unter Beteiligung aller Schützenvereine des Labergaues statt. Am 17. Juli folgte das zehnjährige Gründungsfest der Gemeinschaft Naherholung. Viele Besucher zog der Turnländerkampf der Frauen zwischen Deutschland B und Südkorea an.

Das Naherholungszentrum Hart ist nicht nur seit alters Treffpunkt der ganzen Umgebung, sondern die Besitzungen des Betriebes gehörten auch verwaltungsmäßig zu mehreren Gemeinden. Die bewirtschafteten Flächen lagen früher in den Bereichen der Gemeinden Grafentraubach (Auwiesen), Hofkirchen, Weichs und Haader. Die Einöde Hart unterstand bis 1964 der Gemeinde Weichs. Erst dann erfolgte die Umgemeindung nach Haader. Auch die schulischen Verhältnisse änderten sich dauernd. So besuchte die Großmutter mit ihren Geschwistern die Volksschule in Weichs. Otto Holzer ging mit seinen Geschwistern Maria und Mathilde gastweise nach Franken in die Schule. Der jetzige Inhaber marschierte mit seinen Geschwistern in die Volksschule nach Laberweinting, wohin man jetzt auch zur Pfarrei gehört. Früher war der Hart der Pfarrei Hofkirchen zugeordnet.

Dieser kurze geschichtliche Abriss der Entstehung und Entwicklung der Einöde Hart vom kleinen Försterhäusl über die Einkehr für Waldarbeiter, vom landwirtschaftlich geprägten Betrieb bis hin zum Gastronomieunternehmen mit seinen noch erhaltenen Eigenheiten lässt sich gut einordnen in den großen geschichtlichen Ablauf der Zeit. Aus der Naturlandschaft Wald entstand durch Rodung die Kulturlandschaft, der Ackerbau. Der auf Landbau und Tierzucht ausgerichtete Bauernhof wurde mechanisiert und spezialisiert. Es folgte die Abschaffung von Rindern und Schweinen, viel früher schon verzichtete man auf Pferde und Ochsen.

Auf den Äckern werden heute nur noch Weizen, Roggen und Mais angebaut. Nicht mehr die Landwirtschaft ist personalintensiv, sondern ausschließlich die Gastwirtschaft. Um diese gastronomischen Anforderungen bewältigen zu können, mussten in der Landwirtschaft Abstriche gemacht werden, die allerdings für die heutige moderne Zeit symptomatisch sind.

 
Otto Holzer 1984 in der Festschrift der Schützengesellschaft Waldlust Hart